Wie Sprache die Beziehung zu unseren Hunden beeinflusst

Sprache ist weit mehr als nur ein Mittel zur Kommunikation. Psychologisch gesehen sind Wörter die Brillen, durch die wir die Welt betrachten. Sie beeinflussen unsere Wahrnehmung maßgeblich, sie bewerten ungefilterte Momente und sie geben die Richtung vor, wie wir fühlen und handeln.

Wenn wir über unsere Hunde sprechen, beschreiben wir nicht nur eine Situation – wir erschaffen eine Realität.

Ein hartes Wort, ein abfälliges Etikett oder eine schnelle Verurteilung im Vorbeigehen scheint im Moment der Frustration harmlos zu sein. Doch jedes Mal, wenn wir Begriffe wie „hysterisch“„Furie“ oder „Aggro-Rambo“ verwenden, zementieren wir ein Bild in unserem Kopf. Wir bauen Mauern auf, wo eigentlich Brücken nötig wären, und verschließen uns den Blick für das, was eigentlich gerade passiert: Ein Lebewesen, das in seiner Welt gerade nicht mehr weiterweiß.

Der Stempel den wir unseren Hunden aufdrücken

Sobald wir unserem Hund einen Stempel geben, sei es „dominant“, „stur“ oder „gestört“, passiert etwas in unserem Kopf: Wir schließen die Akte.

Das Problem wird verfestigt: 
Ein „Rambo“ ist eben so. Wir erwarten das schlechte Verhalten schon, bevor es passiert. Wenn der Hund „halt so ist“ werden wir auch nicht viel mühe darin investieren das zu ändern.

Die Verantwortung wird abgeschoben: 
Wenn der Hund „gestört“ ist, liegt das Problem bei ihm. Wir fühlen uns als Opfer seines Verhaltens, statt als Partner, der die Situation beeinflussen kann.

Der Blick für die Not wird getrübt: 
Hinter jeder „Furie“ an der Leine steckt ein Hund, dessen Nervensystem gerade im Ausnahmezustand ist und der gerade besonders die Unterstützung seines Menschen braucht.

Vom „Problemhund“ zum „Hund mit einem Problem“

Wenn wir sagen „Mein Hund ist aggressiv“, klingt das nach einer festen Charaktereigenschaft. Es klingt nach einer Sackgasse. Als Beispiel wenn wir hier wertfrei an die Sache gehen:

„Mein Hund hat in der Begegnung mit Artgenossen große Angst und weiß sich (noch 😉 ) nicht anders zu helfen, als nach vorne zu gehen.“

Merkst du den Unterschied? Im ersten Satz ist der Hund das Problem. Im zweiten Satz hat der Hund ein Problem – und er braucht unsere Hilfe, um es zu lösen. Er zeigt das Verhalten nicht um uns zu ärgern, er ist gerade einfach mit der Welt überfordert.

Negative Sprache ist oft ein Ventil für unsere eigene, tiefe Überforderung.

Das ist menschlich. Wir müssen uns dafür nicht verurteilen, aber wir sollten es als Hinweis nutzen. Wenn wir merken, dass wir nur noch abwertend über unseren Hund denken/sprechen, ist das ein guter Moment, um innezuhalten:

Hinter das Verhalten blicken: 
Warum tut mein Hund das gerade? Welche Funktion erfüllt das Verhalten in der Situation für ihn? Schützt er sich? Ist er im Stress-Tunnel?

Ehrlichkeit zu sich selbst: 
Bin ich gerade überfordert, frustriert? Ist meine Geduld am Ende? -> Dann eine Pause schaffen, um auch selbst wieder durchschnaufen zu können.

Unterstützung suchen: 
Überforderung ist kein Versagen. Es ist der Punkt, an dem wir uns Unterstützung holen dürfen. Jemanden, der von außen mit einem neutralen, empathischen Blick auf die Situation schaut und uns hilft, die „Schublade“ wieder zu öffnen und da wieder raus zu kommen.

Sich Hilfe zu suchen, bedeutet, die Verantwortung für die Beziehung wieder in die Hand zu nehmen – weg von der Frustration, hin zur Lösung.

Der Hund – der beste freund des Menschen

Wir bezeichnen unsere Hunde oft als unsere „besten Freunde“. Aber halten wir kurz inne und stellen uns vor: Du steckst in einer tiefen Krise, hast eine Panikattacke oder bist völlig überreizt. Würdest du wollen, dass dein bester Freund in diesem Moment abfällig über dich spricht? Dass er dich als „hysterisch“ oder „gestört“ abstempelt, während du eigentlich seine Hand und seine Unterstützung bräuchtest?

Echte Freundschaft zeigt sich genau dann, wenn es schwierig wird. Sie bedeutet, dass wir füreinander da sind, wenn einer von uns nicht mehr weiterweiß. Unsere Hunde sind in ihren Entscheidungen und in ihrer Bewältigung von Stress massiv von uns abhängig. Wenn wir uns der Frustration hingeben, lassen wir sie im Regen stehen.

Fazit:

Worte sind Werkzeuge. Wenn wir lernen, die abwertenden Begriffe zu streichen, öffnen wir den Raum für echte Veränderung. Dein Hund ist kein „Rambo“ – er ist ein Lebewesen, das gerade deine Hilfe braucht, um sich in dieser lauten Welt sicher zu fühlen.

Indem wir unsere Sprache ändern, ändern wir unseren Blick. Und ein liebevoller Blick ist der erste Schritt zu einer starken Beziehung und eine gute gefestigte Beziehung ist die beste Erziehung.

Denn wenn ihr als Team durch die Welt geht, kann euch die Umwelt nicht so leicht ins wanken bringen ♥️

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